Nervenärztliche Gemeinschaftspraxis, Dr.med. Margareta Busker & Dr.med. Iris KuhlmannNervenärztliche Gemeinschaftspraxis
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Gesundheitsnachrichten

Deutsche Leberstiftung rät für die Advents- und Weihnachtszeit

Deutsche Leberstiftung rät für die Advents- und Weihnachtszeit

Abkehr von „The same procedure as every year“

Dass die Advents- und Weihnachtszeit häufig mit Stress verbunden ist und negative Auswirkungen auf die mentale Gesundheit haben kann, wissen mittlerweile viele Menschen. Nicht immer stehen Ruhe und Besinnlichkeit im Fokus der Vorweihnachtszeit und der Festtage. Doch oftmals sind Advent und Weihnachten nicht nur für die Psyche problematisch: Auch die Leber leidet durch den Verzehr von zu viel Süßem, Fettem und Alkoholischem – bei gleichzeitigem Bewegungsmangel. Anlässlich der bevorstehenden Advents- und Weihnachtszeit rät die Deutsche Leberstiftung zur Abkehr von „The same procedure as every year“ auch beim Essen, Naschen und Trinken.

Bereits am 3. November startete der erste Weihnachtsmarkt in Deutschland. Und spätestens zum ersten Advent am letzten Novemberwochenende werden auch alle weiteren Weihnachtsmärkte in Deutschlands Städten und Dörfern mit Glühwein, Bratwurst und Zuckerwatte zu einem Besuch einladen. Mit dem Martinstag am 11. November startete in Deutschland traditionell die „Gänsebraten-Saison“: Laut einer aktuellen Meldung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden im Jahr 2021 rund 18.200 Tonnen importiertes und knapp 2.600 Tonnen in Deutschland produziertes Gänsefleisch verzehrt. In den Supermärkten liegen Weihnachtssüßigkeiten teilweise schon ab Ende August in den Regalen – und werden auch so früh von den Kunden gekauft. Das Fest der Liebe wird immer mehr zum Fest des Essens.

Und das wird offenbar auch in diesem Jahr so sein: Obwohl viele Menschen angesichts der Inflation auch bei den Ausgaben für Weihnachten sparen wollen, planen nur wenige, den Rotstift beim Weihnachtsessen anzusetzen. Die Ergebnisse einer Mitte September 2022 durchgeführten Umfrage im Auftrag der Handelsplattform eBay zeigen, dass fast die Hälfte der Deutschen die Ausgaben für Weihnachten einschränken will. Rund zwei Drittel der Menschen mit Sparabsichten gaben an, vor allem beim Weihnachtsshopping sparen zu wollen. Doch bei den Ausgaben für das Weihnachtsessen beabsichtigen nur neun Prozent eine Reduzierung der Ausgaben.

Also scheint es so, dass es wie beim Kult-Sketch „Dinner for One“, der alljährlich zum Jahreswechsel gezeigt wird, auch in diesem Jahr beim Essen und Trinken ein „The same procedure as every year“ geben wird – mit den möglicherweise negativen Auswirkungen auf die Lebergesundheit.

Dabei wird die Entwicklung der Zivilisationskrankheit Fettleber schon jetzt von vielen Experten als dramatisch eingestuft, das bestätigt auch Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung: „In Deutschland sind Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) immer öfter die Ursache für die Entstehung und Manifestation einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (Non-Alcoholic Fatty Liver Disease, NAFLD). In Deutschland leidet fast jeder Dritte an einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung. In den meisten Fällen entsteht die nicht-alkoholische Fettleber, aus der sich eine entzündete Fettleber (Fettleberhepatitis), gefolgt von Leberzirrhose und Leberzellkrebs bilden kann, auf der Basis des sogenannten metabolischen Syndroms. Als metabolisches Syndrom bezeichnet man eine Kombination aus mehreren Risikofaktoren. Dazu gehören neben Übergewicht – und hierbei ist speziell das Bauchfett ein besonderer Risikofaktor – ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck. Wenn dem Körper ständig mehr Kalorien zugeführt werden, als er verbrennen kann, wird die überschüssige Energie in Form von Fett eingelagert – nicht nur im Fettgewebe, sondern eben auch in der Leber.“

Damit die Advents- und Weihnachtszeit nicht zu einer zusätzlichen Belastung einer möglicherweise bereits geschädigten Leber wird, rät Prof. Manns zu einer Abkehr von 'The same procedure as every year' und schlägt Alternativen vor: „Vielleicht muss es nicht unbedingt der Gänsebraten sein. Eine gesündere Alternative ist ein im Ofen gegarter Fisch mit Reis und saisonalem Gemüse. Als Vorspeisen sind leichte Suppen und frische Salate empfehlenswert. Und als Dessert bietet sich zum Beispiel ein Obstsalat oder ein Früchtequark an. Bunte Teller können mit Äpfeln, Mandarinen, Orangen, Nüssen und Mandeln gesund gefüllt werden. Wenn die Nüsse dann noch selbst geknackt werden müssen, werden weniger verzehrt. Beim Plätzchenbacken kann man zum Beispiel Vollkorn- statt Weizenmehl oder auch Haferflocken verwenden. Oft schmecken die Plätzchen mit etwas weniger Zucker auch noch süß genug. Auch wichtig ist es, sich zwischen den Mahlzeiten unbedingt zu bewegen – am besten an der frischen Luft. Das baut Stress ab und ist gerade in der kühleren, dunkleren Jahreszeit wichtig, um das Immunsystem zu stärken.“

Und damit lebergesunde Ernährung an 365 Tagen im Jahr ganz einfach in die Tat umgesetzt werden kann, hat Professor Manns einen Geschenktipp: „Im September 2022 ist 'Das große Kochbuch für die Leber' erschienen. Es richtet sich an alle, die sich für eine lebergesunde Ernährung interessieren. Insbesondere Menschen mit Fettleber oder Fettlebererkrankung, Leberzirrhose, Hämochromatose, Morbus Wilson, cholestatischen Lebererkrankungen und nach einer Lebertransplantation finden wichtige Informationen und zahlreiche Rezepte für eine bedarfsgerechte Ernährung. Entstanden ist es in der Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams, dem unter anderem Diätassistenten, Ernährungsfachkräfte sowie Ärzte und Experten der Deutschen Leberstiftung angehörten. Das Besondere an dem Kochbuch ist, dass es erklärt, wie man die aktuellen wissenschaftlichen hepatologischen Erkenntnisse individuell und schmackhaft im praktischen Leben umsetzen kann. In dem Kochbuch finden sich unter anderem leckere Rezepte für lebergesunde Haupt- und Zwischenmahlzeiten, Gebäck und Getränke. Damit kann es eine gute Unterstützung bei der Abkehr von 'The same procedure as every year' und neuen Ideen für eine lebergesunde Ernährung sein.“


Vorhofflimmern: mit Sport und Ausdauerbewegung unangenehme Anfälle vermeiden

Vorhofflimmern: mit Sport und Ausdauerbewegung unangenehme Anfälle vermeiden

Auf natürliche Weise gegen Vorhofflimmern: Mit Ausdauerbewegung lassen sich Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht vorbeugen und die Therapie positiv beeinflussen: „Sport ist ein Therapeutikum“

Kann man dem Störfeuer im Herzen, Vorhofflimmern, sprichwörtlich davonlaufen? Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die unbehandelt zur lebensbedrohlichen Gefahr werden und zum Schlaganfall führen kann. Doch es gibt wirksame Maßnahmen, mit denen jeder etwas gegen eine Erkrankung an Vorhofflimmern tun oder den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Eine der wichtigsten ist ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Lebensstiländerungen wie eine Gewichtsreduktion oder das Intensivieren der sportlichen Aktivität das Risiko an Vorhofflimmern zu erkranken senken können. Besonders lohnt sich Ausdauerbewegung. Sie hilft nicht nur, einer Erkrankung vorzubeugen, sondern auch die Symptome bei bereits bestehendem Vorhofflimmern zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verbessern. So lässt sich mit Hilfe sportlicher Aktivität nach einer Verödungstherapie des Vorhofflimmerns (Katheterablation) die Prognose verbessern (1). „Regelmäßige körperliche Aktivität und ein Normalgewicht sind ganz besonders wichtig, um kardiovaskuläre Risikokrankheiten in die Zange zu nehmen, die Vorhofflimmern begünstigen oder verursachen, allen voran Bluthochdruck, gefolgt von koronarer Herzkrankheit, Diabetes mellitus und dem Schlafapnoesyndrom. Mit Bewegung lässt sich sehr effektiv starkes Übergewicht vermeiden, das Bluthochdruck und Vorhofflimmern begünstigt“, betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Bluthochdruck als der häufigste Verursacher liegt bei 60 Prozent aller Vorhofflimmerpatienten vor.“
Über weitere wichtige Lebensstilmaßnahmen zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie herzgesunde Ernährung (Mittelmeerküche), Rauchstopp und Stressabbau informiert die Herzstiftung unter www.herztiftung.de Wie man sich durch Sport und Ausdauerbewegung am besten vor Vorhofflimmern schützt oder Vorhofflimmerepisoden reduziert, erklären Kardiologen und Sportmediziner in dem neuen Ratgeber „Zurück in den Takt: Vor den schweren Folgen von Vorhofflimmern bewahren“, der unter www.herzstiftung.de/herzwochen oder per Tel. unter 069 955128400 kostenfrei angefordert werden kann.

Mit wie viel Bewegung kann ich mich vor Vorhofflimmern schützen? Expert*innen raten Erwachsenen und älteren Menschen über 65 Jahren zu einem Ausdauertraining von 150 bis 300 Minuten die Woche bei moderater Belastung (z. B. flottes Gehen, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Ergometertraining). Dabei folgen sie den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die auch für Vorhofflimmerpatient*innen gelten (2). Optional kann der Trainingsumfang auch 75 bis 150 Minuten pro Woche betragen, wobei hier die ausdauerorientierten Bewegungen beim Laufen, Radfahren oder schnellen Schwimmen etwas anstrengender sein sollten. „Vorhofflimmerpatienten sollten ihre Trainingsdosis immer mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen“, rät Prof. Voigtländer, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses Frankfurt am Main. Denn bei Patient*innen, die z. B. Betablocker oder Rhythmusmedikamente einnehmen, die die körperliche Leistungsfähigkeit senken, müsse zuerst der optimale Trainingspuls angepasst werden.
Wer Sport zur Vorbeugung einsetzen möchte, sollte beim Trainingsumfang bedenken, dass bei moderater Ausdauerbelastung das Vorhofflimmerrisiko signifikant sinkt, wohingegen es bei häufiger intensiver Belastung eventuell steigen könnte. „Für Ausdauersport gilt die Faustregel: Bei sechs Stunden oder mehr an intensivem Ausdauertraining pro Woche kann bei Männern das Vorhofflimmerrisiko steigen“, erklärt Dr. med. Jonas Zacher, Diplom-Sportwissenschaftler und Sportmediziner mit Schwerpunkt Sportkardiologie am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln. Er bringt den Aspekt der richtigen Balance so auf den Punkt: „Sport kann dreierlei zugleich sein: Risikofaktor, Schutzfaktor und Therapeutikum.“ Allerdings betont Dr. Zacher: Auch bei hohen Trainingsumfängen überwiegen in der Regel die Vorteile für das Herz-Kreislaufsystem das möglicherweise etwas erhöhte Vorhofflimmerrisiko.

Was bringen Ausdauer- und zusätzliches Krafttraining bei Vorhofflimmern? Mittlerweile zeigen einige wissenschaftliche Studien, dass körperliches Training eine sinnvolle Behandlungskomponente für Patient*innen mit Vorhofflimmern ist (3). „Die Häufigkeit und die subjektiv erlebte Intensität von Vorhofflimmerepisoden lassen sich mithilfe des körperlichen Trainings reduzieren und Fitness wie Lebensqualität steigern“, betont Dr. Zacher. Die Deutsche Herzstiftung weist zur Orientierung auf die WHO-Empfehlungen hin, deren Erfüllung „mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zielbereich der Schutzwirkung gegen Vorhofflimmern liegen dürfte“, so Zacher. Die WHO propagiert dabei eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Zusätzlich zur Ausdauerbewegung sollte man an zwei Tagen der Woche zum Kräftigen der Muskulatur mit einem leichten Hanteltraining oder funktionsgymnastischen Übungen aktiv sein. Älteren ab 65 Jahren werden an drei Tagen pro Woche zusätzlich Gleichgewichts- und Koordinationsübungen zur Sturzprävention empfohlen (2).
Frauen, die die WHO-Empfehlungen erfüllen oder übertreffen, reduzieren ihr Vorhofflimmerrisiko um etwa 10 %, Männer um ca. 5 %, ergab eine Arbeit in „Heart Rhythm“ (4). Umgekehrt erhöht ein inaktiver Lebensstil ohne jeglichen Sport das Risiko für Vorhofflimmern bei Frauen wie Männern um das 2,5-Fache. Eine regelmäßige moderate körperliche Aktivität hingegen reduziert das Risiko, Vorhofflimmern zu erleiden. Verglichen mit inaktiven Menschen war bei Frauen das Vorhofflimmerrisiko um ca. 10 %, bei Männern sogar um ca. 20 % niedriger (5).

Bewegung als Therapiekomponente Welche Rolle spielt Ausdauerbewegung in der Therapie von Vorhofflimmern? Mit Hilfe eines optimierten Lebensstils inklusive körperlichen Trainings lässt sich die Häufigkeit von Vorhofflimmern reduzieren. Das zeigte sich etwa in Rehaprogrammen mit einem Fokus auf ein moderates Ausdauertraining. So konnte ein sechsmonatiges Ausdauertraining bei Rehapatient*innen die Vorhofflimmerlast, also die Anzahl und Dauer der Anfälle, deutlich verringern (6). „Die damit zu erzielenden Effekte waren mindestens so erfolgreich wie die medikamentösen oder interventionellen Therapieoptionen“, betont Dr. Zacher. „Die Patienten haben das Training gut vertragen.“
Als Fazit bleibt mit Blick auf die Studienlage festzuhalten, dass körperliches Training eine sinnvolle Behandlungskomponente ist. Patient*innen mit Vorhofflimmern sollten im Rahmen ihrer Therapie körperliches Training erfahren. Allerdings ist Sport ein Risikofaktor für Männer, die jahrelang Ausdauertraining auf dem Niveau von Leistungssportlern betreiben. Männer profitieren hinsichtlich des Vorhofflimmerrisikos am meisten von einem Ausdauertraining zwischen 1,5 und vier Stunden pro Woche, Frauen können Sport nach Lust und Laune ausüben, der Umfang des Trainings sollte sich an den WHO-Empfehlungen orientieren, „darf aber auch gerne darüber hinaus gehen“, sagt Dr. Zacher.

(wi)

Quellen:

Dr. Jonas Zacher, „Sport als Medikament“, in: Deutsche Herzstiftung (Hg.), „Zurück in den Takt: Vor den schweren Folgen von Vorhofflimmern bewahren“ (Begleitbroschüre zu den Herzwochen 2022), Frankfurt am Main Nov. 2022.

(1) Gessler, N., Steven, D. et al. (2021): Supervised Obesity Reduction Trial for AF ablation patients: results from the SORTAF trial. doi: 10.1093/europace/euab122
(2) Global action plan on physical activity 2018–2030: more active people for a healthier world. Geneva: World Health Organization; 2018.
(3) Malmo, V. et al High-Intensity Exercise in Atrial: High-Intensity Exercise in Atrial Fibrillation, Circulation (2016). DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.115.018220; Elliott, A. (2021): An exercise and physical activity program in patients with atrial fibrillation: the ACTIVE-AF randomized controlled trial. Abstract, European Society of Cardiology Congress 2021.
(4) Mishima, R. S. et al. (2020): Self-reported physical activity and atrial fibrillation risk: A systematic review and meta-analysis. doi: 10.1016/j.hrthm.2020.12.017
(5) Mohanty S., Differential Association of Exercise Intensity With Risk of Atrial Fibrillation in Men and Women: Evidence from a Meta-Analysis. doi: 10.1111/jce.13023.
(6) Elliott, A. (2021): An exercise and physical activity program in patients with atrial fibrillation: the ACTIVE-AF randomized controlled trial. Abstract, European Society of Cardiology Congress 2021.

Tipp: Patientenbroschüre „Zurück in den Takt“
Die Herzwochen-Begleitbroschüre „Zurück in den Takt: Vor den schweren Folgen von Vorhofflimmern bewahren“ der Deutschen Herzstiftung informiert über neueste Erkenntnisse zu Risikovorsorge, Ursachen, Diagnose und Therapie von Vorhofflimmern. Der 120-seitige Band kann kostenfrei per Tel. 069 955128-400 oder unter www.herzstiftung.de/bestellung (E-Mail: bestellung@herzstiftung.de) angefordert werden. Infos zu Vorhofflimmern bietet die Herzstiftung unter www.herzstiftung.de/herzwochen und www.herzstiftung.de/vorhofflimmern

Weitere Informationen und kostenfreie Ratgeber zum Herzwochen-Thema Vorhofflimmern unter:
www.herzstiftung.de/herzwochen
www.herzstiftung.de/vorhofflimmern
www.herzstiftung.de/vorhofflimmern-symptome

Videos zum Thema Vorhofflimmern:
https://www.youtube.com/DeutscheHerzstiftung

Podcasts zum Thema Vorhofflimmern:
www.herzstiftung.de/podcasts Bildunterschrift: Dr. med. Jonas Zacher, Diplom-Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Sportkardiologie am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin, Abteilung Präventive und Rehabilitative Sport- und Leistungsmedizin, Sporthochschule Köln


Zucker - die süße Verführung

Zucker - die süße Verführung

Tipps der Stiftung Kindergesundheit zum klugen Umgang mit Süßigkeiten

Zu viel Zucker schadet den Zähnen, macht dick und erhöht das Risiko für Diabetes. Kinder sollten deshalb den sparsamen Konsum von Süßigkeiten genauso lernen wie den vorsichtigen Umgang mit Messer, Gabel, Schere und anderen Risiken, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme. Doch wie bringt man ihnen das am besten bei?

Die Verführung ist allgegenwärtig: Nach Angaben der Industrie lag das Angebot der in Deutschland hergestellten und nach Deutschland eingeführten Süßwaren und Knabberartikel im letzten Jahr 2021 bei knapp 2,7 Millionen Tonnen, der Umsatz stieg sogar um 2,1 Prozent deutlich an und betrug 9,2 Milliarden (!) Euro. Zum letzten Weihnachten wurden 103 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner verkauft, das diesjährige Osterfest haben sich die Deutschen mit 119 Millionen Schoko-Osterhasen versüßt.

Naschen während des Lockdowns Die Corona-Pandemie bescherte vielen Familien gleich zwei zusätzliche Probleme, berichtet die Stiftung Kindergesundheit: Zum einen verbrachte jedes dritte Kind und Jugendliche pro Tag vier Stunden und mehr vor einem Bildschirm oder Display. Zum anderen gab jedes fünfte Kind an, etwas bis viel mehr Süßigkeiten als vor der Covid-19-Pandemie genascht zu haben.

Generell gilt: Je höher der tägliche Zuckerkonsum, umso größer die nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit, auf die Zähne und auf das Gewicht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt maximal zehn Prozent der täglichen Energieaufnahme aus Süßigkeiten, Knabberartikeln und Süßgetränken, ideal sogar nur fünf Prozent.

„Das ist aber viel weniger, als die meisten Eltern glauben und viele Kinder tatsächlich konsumieren“, sagt Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit: „Bei einem vier bis sechsjährigen Kind ist die empfohlene Höchstmenge schon mit einer einzigen Kugel Eis und zwei Butterkeksen erreicht“.

In Deutschland nehmen Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren 16,3 Prozent ihrer Energiezufuhr aus freien Zuckern auf. Die Folgen zeigen sich auf der Waage: 15 Prozent der Kinder sind übergewichtig, 6,3 Prozent gelten bereits als fettleibig.

Ach wie süß! „Die Vorliebe aller Menschen für Süßes besteht von der Geburt an“, berichtet Professor Berthold Koletzko: „Sie wird schon durch den leicht süßen Geschmack der Muttermilch oder der Babynahrung geprägt“.

Seit je gilt in aller Welt der Begriff „süß“ auch für „lieb“ und „geliebt“. Englische Kosenamen lauten „sweetheart“ oder „honey“, Italiener sprechen von „dolce vita“, die ungarische Mutter heißt „édesanyu“ (süße Mutti). Den meisten Menschen wird es beim Anblick eines „süßen“ Babys weich ums Herz.

Kinder lieben also Süßes, zu viel Süßes ist aber ungesund - damit ist der Konflikt vorprogrammiert, egal, wie sich Eltern auch immer verhalten: Ob sie ihren Kindern Süßigkeiten geben oder sie ihnen vorenthalten, immer haben sie ein schlechtes Gefühl dabei.

Wie findet man den Weg aus diesem Dilemma? Die folgenden Vorschläge der Stiftung Kindergesundheit könnten dabei helfen:

Schritt Nummer 1: Ein Kind muss richtig naschen lernen Genauso wie Kinder lernen müssen, dass man vor dem Überqueren der Straße erst nach links und rechts schaut, sollte man ihnen schon früh erklären, dass zu viel Süßes ihren Zähnen schaden kann.

Karies ist keine harmlose Erkrankung, betont die Stiftung Kindergesundheit: Sie verursacht Schmerzen und kann bei Kindern zu Appetitverlust, Schlaflosigkeit und sogar Konzentrationsstörungen führen. Sie ist jedoch vermeidbar: Die entscheidende Ursache ist der übertriebene Zuckerkonsum.

Die Kosten sind immens: Die direkten und indirekten Kosten der durch übermäßigen Zuckerkonsum verursachten Zahnerkrankungen beliefen sich im Jahr 2010 weltweit auf 172 Milliarden US-Dollar. Für Deutschland wurden dabei pro Jahr und Person 210 Euro an Zahnbehandlungskosten errechnet.

Dabei kommt es für die Zähne nicht darauf an, wie viel Süßigkeiten ein Kind isst, sondern vor allem darauf, wie oft ein Kind am Tag Süßes zu sich nimmt. Kauen regt den Speichelfluss an, Speichel wiederum schützt den Zahnschmelz. Deshalb ist ein süßer Nachtisch nach einer Hauptmahlzeit, bei der kräftig gekaut wurde, weniger schädlich als eine Süßigkeit zwischendurch. Wirklich gefährlich ist leider ausgerechnet das, was die Kinder besonders mögen: Bonbons zum Lutschen, Gummibärchen oder süße Kaugummis zum Kauen, Süßigkeiten also, die nicht zu einer Hauptmahlzeit gegessen werden, sondern zwischendurch, und die längere Zeit im Mund bleiben.

Schritt Nummer 2: Die ganze Familie muss helfen Verwandte und Bekannte, Großeltern und Tanten sollten in die Zuckerkontrolle mit einbezogen werden, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit. Sie sollten die häuslichen Regeln kennen. Süßigkeiten, die sie den Kindern schenken, sollten zusammen mit den anderen „Beständen“ des Kindes in einer besonderen Schublade aufbewahrt werden.

Außerdem sollte man anregen, auf alternative Mitbringsel (z.B. Obst, Stifte, kleine Spiele, Kinderzeitschriften, Notizblöcke usw.) auszuweichen. Das gilt auch für den Inhalt der ABC-Tüte zur Einschulung.

Schritt Nummer 3: Auf den versteckten Zucker achten In vielen abgepackten Lebensmitteln ist Zucker enthalten, oft sogar in großen Mengen. Immer wenn die Zutatenliste irgendetwas mit der Endung „ose“ enthält, ist Zucker drin. Tomatenketchup besteht zu 50 Prozent, Currysauce zu 17,9 Prozent, Dosenkraut zu 12,12 Prozent aus Zucker. Auch Kartoffelpuffer, Rauchwürste oder Leberpastete werden oft mit Zucker gewürzt.

Selbst Produkte „ohne Zucker“ sind oft noch süß genug. Von dem Aufdruck „ohne Zuckerzusatz“ oder „zuckerfrei“ sollten sich Eltern nicht einlullen lassen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit: Auch wenn ein Lebensmittel mit Saftkonzentraten aus Trauben und Obst oder mit Produkten aus der Stärkeverzuckerung (z.B. mit Maltodextrine) oder mit Honig gesüßt ist, hat es praktisch den gleichen Gesamtzuckergehalt wie entsprechende Lebensmittel mit Fabrikzucker. Der Gehalt an Kalorien ist ebenfalls gleich und damit auch der dickmachende Effekt: Dem Körper ist nämlich egal, ob er Zucker aus Rüben, Trauben, Honig, Obst oder Stärke verarbeitet. Das gilt auch für die Zähne.

Schritt Nummer 4: Nutzen Sie die süßen Alternativen Viele zuckerhaltige Lebensmittel lassen sich durch ungezuckerte Alternativen ersetzen. Hat das Kind Hunger, so bekommt es belegte Brote, Obst oder knackige Gemüse (z.B. Karotten). Beim Einkauf von Lebensmitteln sollte man auf die Einstufung beim kürzlich eingeführten „Nutri-Score“ achten und bevorzugt grün (mit den Buchstaben A oder B gekennzeichnete Produkte kaufen.

Wenn es wirklich einmal etwas Süßes sein muss, sollte man auf die zahnschonenden Süßwaren ausweichen, die in immer größerer Auswahl angeboten werden. Sie werden meist mit sogenannten Zuckeraustauschstoffen gesüßt und sind auf der Verpackung mit der Marke „Zahnmännchen mit Schirm“ gekennzeichnet.

Mit Süßstoffen gesüßte Getränke und Lebensmittel sind dagegen wegen der begrenzten Datenlage über ihre Risiken für Kinder weniger empfehlenswert.

Die beste Süßigkeit ist zweifelsfrei ein Stück frisches Obst.

Mäßigung statt Verbote „Kinder lieben nun einmal Süßes“, räumt Professor Koletzko ein. „Kein vernünftiger Mensch käme deshalb auf den Gedanken, den Kindern alles Süße zu verbieten“. Die Stiftung Kindergesundheit plädiert stattdessen dafür, in den Familien von Anfang an feste Regeln im Umgang mit Süßigkeiten aufzustellen und so dem Kind zu helfen, sein eigenes Maß zu finden. Die Stiftung empfiehlt:

• Benutzen Sie Süßigkeiten niemals als Belohnung, Druckmittel oder Strafe. Dann bleiben Süßigkeiten lediglich wohlschmeckende Nahrungsmittel und bekommen keinen übertriebenen Gefühlswert.
• Besonders wichtig: Versuchen Sie das Thema „Süßigkeiten“ nicht zu einem ernsthaften Familienproblem werden zu lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass das Verlangen der Kinder nach Süßem durch den Reiz des Außergewöhnlichen erst recht geschürt wird und sie anfangen, heimlich zu naschen.
• Süßigkeiten werden nach Möglichkeit nur einmal am Tag, zu den Mahlzeiten gegessen. Anschließend werden die Zähne geputzt.
• Legen Sie keine süßen Vorräte an: Was nicht im Haus ist, kann auch nicht gegessen werden. Gegen Süßhunger sind Obst und Karotten eine probate Hilfe.
• Lassen Sie keine Süßigkeiten offen herumstehen. So schützen Sie sich selbst und Ihre Kinder davor, aus Langeweile oder Gedankenlosigkeit ohne besonderen Appetit Bonbons, Gummibärchen, Schokolade oder Kekse zu essen.
• Gewöhnen Sie Ihr Kind möglichst daran, die Zähne zu putzen, sich den Mund auszuspülen oder einen Apfel zu essen, nachdem es Bonbons gelutscht hat.
• Nach dem abendlichen Zähneputzen darf nichts mehr gegessen werden. Späte „Betthupferl“ nagen an den Zähnen.
• Halten Sie sich bitte selbst an die Regeln – wer ständig nascht, kann kein Vorbild sein.

Übrigens: Ein sparsamerer Umgang mit Zucker könnte sich auch als willkommener Beitrag zur Bekämpfung der aktuellen Energiekrise entpuppen. Für die technische Gewinnung einer Tonne Zucker werden nämlich 900 Kilowattstunden Energie benötigt.